Herzlich  willkommen in Markt Wald zur Nachlese zum
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Wir freuen uns über die tollen Presseberichte der Augsburger-Allgemeinen über unseres diesjähriges Marktfest:
Die Wikinger sind in den Stauden angekommen
Oberneufnacher Musikanten holen Rangulf den Drachentöter nach Markt Wald

Mit einem Festakt begann gestern Abend das „historische Marcktfest auff‘m Waldt“. Zur Überraschung der Besucher mischten sich unter Handwerker und Gaukler auch Wikinger, die „mit ihrem Schiff die Schmutter hochgefahren waren“. Es handelte sich dabei aber nicht um eine Geschichtsklitterung, sondern um eine nicht so ernst gemeinte Einlage des Musikvereins Oberneufnach.

Die Musiker hatten vor fünf Jahren schon Attila bemüht, in diesem Jahr stecken sie „Rangulf den Drachentöter“ in die Stauden. In dem historischen Singspiel geht es aber auch um ein bisschen Geschichte: Die Wikinger versuchen, die Glocke von Steinekirch zu stehlen, um damit die dringend benötigten Kanonenkugeln zu gießen. Die Glocke jedoch wird von den Bewohnern in Sicherheit gebracht. Und tatsächlich soll diese Glocke einmal bei einem räuberischen Angriff im Moor bei Anhofen verschwunden sein. Die Reise der Wikinger verläuft natürlich zur Erheiterung der Zuschauer nicht nach Plan, selbst die Titanic kreuzt den Weg der Nordmänner. Und immer wieder werden die Besucher urplötzlich mit Musik aus der Vergangenheit geholt. Ein Mordsspaß, den sich die Musikanten unter Leitung von Franz Huber und Stefan Klaus ausgedacht haben. André Schubert führt als Erzähler sehr cool und mit markigen Vergleichen durch die Zeitreise, die mit einem Happyend, sprich Hochzeit, endet.

Das historische Marcktfest wird am heutigen Samstag um 9.30 Uhr mit der Proklamation der Marktordnung anno 1593 fortgesetzt. Anschließend ist Bauernmarkt. Samstag und Sonntag gibt es mittelalterliches Dorf- und Lagerleben. Das Singspiel der Musikanten wird mehrmals beim Gasthaus Hirschen aufgeführt. Am Sonntag um 9.30 Uhr gibt es außerdem einen Festgottesdienst, bei dem die Markt Walder Chöre unter Leitung von Mathias Janetti die „Missa Festiva“ von Christopher Tambling aufführen werden.

Das kunterbunte Mittelalter
- Ein ganzer Ort feiert seine Marktrechte

Vor 421 Jahren unterschrieb Kaiser Rudolf II die Markt-erhebungsurkunde für Irmratshofen, dem heutigen Markt Wald. Untertanen und Herrschaft erhofften sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung, denn die Stauden gehörten nicht zu den reichsten Flecken. 1993 feierte die Staudengemeinde dieses historische Ereignis erstmals mit dem „Historischen Marcktfest auff‘m Wald“, das am Wochenende zum sechsten Mal eröffnet wurde. Wieder schlüpften die Bürger in historische Gewänder, um als Bauern, Handwerker, Gaukler und Edelleute zusammen mit Gästen aus Nah und Fern zu feiern. Es gibt kaum einen Verein, der sich nicht am Fest beteiligt. Seit Wochen wurde gehämmert, gewerkelt und genäht. Die Musikanten vertieften sich in Noten aus dem Mittelalter.

Nach einem perfekten Festauftakt am Freitag kamen als Lohn auch zahlreiche Besucher. An den Buden, wo von „gedrehten Bodenbira“, Küachle, Krautkrapfen und vom Steckerlfisch bis zum Wildschweinbraten so ziemlich alles angeboten wurde, bildeten sich Schlangen und schon vor Mitternacht waren einige ausverkauft.

Nach einer kurzen Nacht hieß es wieder rein in die historischen Klamotten, denn die Marktrechtsverleihung wurde mit einem bunten Einzug aller Beteiligten und einem Bauernmarkt gefeiert. Die Kinder der Grundschule kamen gleich nach den Musikanten und stimmten die Besucher mit dem Lied „Lasst uns auf den Marktplatz ziehen“ ein.

Doch nicht nur Bauern und Handwerker zogen die Hauptstraße hinunter, auch der neue Bürgermeister Peter Wachler in neuem Gewand, die nun ortsansässige Familie Graf Fugger (Babenhausen), Gemeinderäte und natürlich Bürger waren begeistert. Die Stars waren aber die Tiere: Kühe, Ochsen, Ziegen und Pferde wurden vor allem von den kleinen Besuchern bestaunt. Und erstmals zog auch das Wikingerschiff des Musikvereins Oberneufnach durch das Tor.

Am Marktplatz war es dann Alfred Jakob vorbehalten, die Marktregeln von anno dazumal zu verlesen. Zum Beispiel, dass nur die Mindelheimer Maße verwendet werden durften, der Markt erst mit Aufzug der Fahne beginnen sollte und dass Gotteslästerung und Raufen verboten waren. Auch die Einnahmen wurden klar definiert: So hatten unter anderem ein Kannengießer, Kürschner und Ledergerber jeweils vier Kronen an Standgeld zu berappen. Als Markttage wurden ursprünglich drei Montage festgelegt, so der ehemalige Rektor Michael Endler in seinem geschichtlichen Rückblick.

Nach dem Festakt zog es die Bürger zu ihren Buden und Einrichtungen. Die Handwerker begannen mit ihren Vorführungen, das Eisen glühte in der Schmiede und es gab so ausgefallene Vorführungen wie Seegrasgürtel-Drehen oder Korbflechten. Dabei konnte man auch mit den Handwerkern plaudern und erfuhr zum Beispiel, dass das Flechten eines einfachen Weidekorbes fast drei Stunden dauert und ein echter „Knochenjob“ ist.

Die Kinder hatten beim Marcktfest natürlich andere Dinge im Visier. Sie konnten zwischen Strohballen toben oder auf einem historischen, handbetriebenen Karussell gemütliche Runden drehen und dabei der Begleitung durch handgemachte Harfenmusik lauschen.

Wer diesen gemütlichen Vormittag versäumt hat, hat eine zweite Chance. Der Bauernmarkt wird am kommenden Samstag, 5. Juli, ab 9.30 Uhr wiederholt. Lagerleben findet vom 4. bis 6. Juli statt. Das Fest wird vom „Festverein Historisches Marcktfest“ mit dem Vorsitzenden Christoph Löcherbach veranstaltet.

Das Miteinander steht im Mittelpunkt
Christoph Löcherbach sieht die Dorfgemeinschaft gestärkt

Ruhe ist wieder in der beschaulichen Staudengemeinde eingekehrt. An zwei Wochenenden tauchten Einheimische und Tausende von Besuchern ins Mittelalter ein. Feste dieser Art gibt es mittlerweile fast schon im Überfluss, das „Marcktfest auff‘m Waldt“ unterscheide sich aber deutlich von den anderen Veranstaltungen, meinte „Festvater“ Christoph Löcherbach. Es stehe nicht der Kommerz an erster Stelle, sondern das Miteinander. Das sehe man schon daran, dass kein Eintritt erhoben wird. Alle Aktivitäten wie Gastronomie, Vorführungen, Handwerk und Musik würden von Markt Walder Bürgern organisiert. Man habe zahlreichen auswärtigen Gruppen und Händlern abgesagt.

Standen die Markt Walder in den vergangenen Jahren mit Petrus auf Kriegsfuß, so entlohnte sie der Herr des Wetters in diesem Jahr. An beiden Wochenenden herrschte fast immer Bilderbuchwetter und die vielen Besucher konnten trockenen Fußes die zahlreichen Attraktionen, Handwerkerhöfe und musikalischen Ecken besuchen. „Es war die sechste derartige Veranstaltung und ich habe mich gefreut, dass nun auch die neue jüngere Generation mit Begeisterung bei der Sache ist“, lobte Löcherbach, der das Gespräch für einen Moment unterbrechen musste, weil er „als Mädchen für alles“ über Handy den Anruf bekam, dass in einem Klowagen das entsprechende Papier ausgegangen war.

Später meinte er, dass er von der Kreativität seiner Mitbürger überrascht sei. Die Jugend habe sich an neue Bauwerke wie Türme gewagt, neue Spiele für die Kinder seien entstanden und bei den Schmankerln aus der Küche habe man die tollsten Namen gefunden.

Bürokratische Vorschriften machen die Organisation schwer

Nur noch Freude? Da gibt es doch noch Dinge, die dem Festleiter nicht gefallen haben. Er zog eine Parallele zur Zeit vor 400 Jahren, als die Staudengemeinde von Kaiser Rudolf das Marktrecht verliehen bekam. Auch damals habe das normale Volk unter der Herrschaft gelitten. Zunächst lobte er aber den guten Kontakt mit der Gemeinde. Mit dem früheren Bürgermeister Walter Wörle und auch seinem Nachfolger Peter Wachler habe es sehr gute Zusammenarbeit gegeben.

Auf der anderen Seite habe er schon beim letzten Fest geglaubt, dass es in Sachen Bürokratie nicht mehr schlimmer werden könne. Doch er habe sich getäuscht. Die Individualität dieser Feste könne nicht mehr gewährleistet werden, wenn von Seiten des Gesundheitsamtes zum Beispiel nur industriell gefertigte Produkte zum Verzehr zugelassen werden.

Ein Beispiel: Ein Hugo aus Sekt und Holunderblütensirup könne nur ausgeschenkt werden, wenn der Sirup im Supermarkt gekauft wird. Der selbst produzierte Sirup vom eigenen Strauch müsse außen vor bleiben. Ähnlich sei es mit Eiern vom eigenen Hof. Löcherbach gab zu, dass ihm im Vorfeld des Festes der Kampf mit der Bürokratie ganz schön zugesetzt habe.

Doch nach dem Einzug der Bauern, Handwerker, Gaukler und Musikanten habe ihn wie alle Markt Walder ein Glücksgefühl erfasst. Dieses Fest bringe Menschen zusammen, auch wenn sie fremd seien, und er erinnerte sich an das erste Fest, als er als Neubürger spontan miteingebunden wurde, als man dringend Musikanten suchte.

Bleibt nur noch festzuhalten, dass auch die auswärtigen Besucher das Marcktfest lieben, weil es gemütlich zugeht. Dank des weitläufigen Festgeländes gibt es kaum Gedränge. Und noch gute Nachrichten zum Schluss: Auch das legendäre „Sauaugen-Weitspucken“ verlief ohne Unfälle. (un)

Bürokratie schadet der Festkultur

„Warum wird hier ein Stück Heimat kaputt gemacht indem man nur noch industriell hergestellte Produkte verkaufen soll wie z.B. den Holunderblütensirup.

Gibt es dann bald keine selbstgemachten Kuchen mehr auf den Festen im Unterallgäu??? Verschwinden dann auch die selbstgemachten Apfelküchle, Rahmflecken, Pizza und was sich die Vereine alles Leckeres einfallen lassen, um die Gäste aus nah und fern zu verköstigen? Vielleicht verschwindet ja auch bald die Festkultur im Landkreis, weil dieser Bürokratismus einfach alles zerstört.

Und glauben sie mir, gerade bei diesen selbstgemachten Produkten steckt ganz viel Gedankengut dahinter. Es wird bei der Herstellung auf Sauberkeit, Haltbarkeit und natürliche Inhaltsstoffe geachtet. Man möchte schließlich die Speisen und Getränke guten Gewissens an die Gäste weitergeben und ihnen Freude bereiten mit diesen kulinarischen Köstlichkeiten.

Wenn beim Gesundheitsamt zu viel Zeit vorhanden ist, dann kümmern sie sich doch bitte um die Industrie. Wir bräuchten dann nicht jede Woche beim Einkauf die Packungen umdrehen und schauen, was man uns mal wieder alles unterjubeln will. Industriell hergestellten Holundersirup gibt es z.B. auch mit tollen künstlichen Farbstoffen oder den superleckeren und allseits beliebten Antioxidationsmitteln. Das kann doch nicht das Ziel dieser Kontrollen sein!“.

Pressebericht vom 28. Juni 2014 von Wilhelm Unfried
Bericht vom 30. Juni 2014 von Wilhelm Unfried
Bericht vom 9. Juli 2014 von Wilhelm Unfried
Leserbrief von Inge Drexel, Nassenbeuren Zur Berichterstattung vom 9. Juli 2014
! „Festvater“ Christoph  Löcherbach (links)  und Altbürgermeister  Walter Wörle zeigten  sich vom Einsatz  der Bürger in  Markt Wald begeistert Presseberichte